Spannende neue Low Carb Studie: Low Carb und Sterblichkeit

Eine im August 2018 publizierte Studie im Fachjournal Lancet Public Health erregt aktuell viel Aufsehen! Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Anteil der Kohlenhydrate in der Ernährung und der Sterblichkeit. Aber stimmen solche plakativen Sätze wie Low Carb verkürzt Lebenserwartung, so wie die Tagesschau schreibt? Wir haben uns die Studie mal genauer angesehen!

Low Carb Lebensmittel auf Brett passend zu Low Carb Studie

Vorgängerstudien: PURE und ARIC

Die PURE-Studie war die Vorgänger-Untersuchung der aktuellen Studie. In dieser großen Untersuchung (immerhin wurden Daten von mehr als 135.000 Menschen aus 18 Ländern einbezogen) wollten die Wissenschafter wissen, wie sich eine kohlenhydratreiche Ernährung auf die Sterblichkeit auswirkt. Die Ergebnisse zeigten, dass ein erhöhter Kohlenhydrat-Anteil in der Ernährung (durchschnittlich 61,% der Gesamtkalorien) mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden war!

Eine andere Vorgänger-Studie war die ARIC-Studie: Eigentlich soll hier das Atherosklerose-Risiko untersucht werden, dank detaillierter Fragebögen kann man aus den Daten jedoch auch die Auswirkungen von Kohlenhydraten auf die Sterblichkeit untersuchen. Mit 15.000 Teilnehmern war die Untersuchung vom Umfang her kleiner. Allerdings wurde hier nicht nur die High-Carb-Ernährung untersucht, sondern auch moderate Kohlenhydratzufuhr (50-55% der Gesamtkalorien) und Low Carb (30% der Gesamtkalorien). In dieser Studie zeigte sich, dass die Sterblichkeit bei moderater Carb-Zufuhr am geringsten ist, bei Low- und High-Carb-Ernährung jedoch höher.

Ob die Ergebnisse sich auch bei einer größeren Stichprobe bestätigen, sollte die jetzige Untersuchung zeigen.

Lancet-Studie: Wie sind die Ergebnisse?

In der neuen Studie wurden die Daten der beiden bereits erwähnten Studien zusammen mit weiteren kleinen Studien zusammen untersucht und ausgewertet.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass rein bezogen auf die Kohlenhydrate die Sterblichkeit bei einer erhöhten Kohlenhydratzufuhr (>70% der Gesamtkalorien) um 23% erhöht ist, bei einer verminderten Kohlenhydratzufuhr (<30% der Gesamtkalorien) um 20% erhöht ist. In dieser Studie war das niedrigste Sterberisiko mit einer moderaten Kohlenhydratzufuhr assoziiert.

Hier hören jedoch die Ergebnisse nicht auf! Leider verschweigt u.a. die Tagesschau, dass es sehr wichtig ist, wie die eingesparten Kohlenhydrate bei einer Low-Carb-Ernährung ersetzt werden:

  • Bei einer vegetarischen Ernährung war das Sterberisiko um 18% niedriger
  • Bei einer fleischhaltigen Ernährung war das Sterberisiko um 18% höher

Das heißt, nicht nur der absolute Anteil an Kohlenhydraten in der Ernährung wirkt sich auf die Gesundheit aus, auch die Zusammensetzung der restlichen Ernährung hat einen deutlichen Einfluss.

Leider kann die Studie nicht klären, warum es zu diesen deutlichen Unterschieden zwischen fleischloser und fleischhaltiger Low-Carb-Ernährung kommt. Die Autoren der Studie vermuten, dass der Unterschied durch einen erhöhten oxidativen Stress und/ oder Vitamin-/ Nährstoffmangel bei fleischhaltiger Kost begründet sein kann.

Hier muss man aber auch festhalten, dass bei einer so großen Studie eine große Zahl anderer Faktoren die Ergebnisse verzerren kann. Es wurden zwar eine Reihe von möglichen Stör-Faktoren berücksichtigt (z.B. Wohnort oder Alter), es können jedoch nie alle Faktoren erhoben werden. Diese weiteren Confounder, z.B. die Art der Berufstätigkeit, können die Ergebnisse verfälschen.

Was ist unser Fazit aus der Studie?

Diese neue Studie untersuchte die Auswirkungen der Höhe der Kohlenhydratzufuhr auf die Sterblichkeit. Die Autoren der Studie konnten zeigen, dass Low- und High-Carb-Ernährung zu einer erhöhten Sterblichkeit führen. Sie konnte außerdem zeigen, dass eine Low-Carb-Ernährung nur dann die Sterblichkeit senkt, wenn die Ernährung vegetarisch ist.

Generell schließen wir daraus, dass unser Weg einer gemäßigten Kohlenhydrat-Reduktion genau der richtige ist. Generell raten wir von Extrem-Diäten ab: Denn obwohl Kohlenhydrate nicht zu den essenziellen Nährstoffen gezählt werden, ist die Aufnahme durch die positiven Begleitsubstanzen (Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien etc.) für unseren Körper und unsere Gesundheit sehr wichtig.

Als Warnung sollte diese Studie für diejenigen verstanden werden, die sich extrem kohlenhydratarm und zudem noch sehr fleischlastig ernähren. Hier sollte der Speiseplan besser durch pflanzliche Proteine, z.B. aus Nüssen und Hülsenfrüchten ergänzt werden.

Mit einer gemäßigten Kohlenhydrat-Reduktion, angereichert durch gesundes Obst, Gemüse, Fisch, Nüsse und Hülsenfrüchte und dabei moderaten Fleischmengen erreichst du deine Gewichtsziele auf einem vielleicht etwas langsameren, aber dauerhaften und gesunden Weg.

Weiterführende Informationen:

Lancet-Studie: Link
PURE-Studie: Link
ARIC-Studie: Link

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